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Der grosse Brand 2007
Immer wieder werden wir nach den Bränden, Ursachen und Auswirkungen gefragt. Ich habe seinerzeit 2 Statements an interessierte Freunde und Gäste herausgegeben. Ich stelle diese hierherein als meine persönliche Einschätzung: Den ersten Text hier habe ich geschrieben, sozusagen während des Brandes hier in Ulm, allerdings in ständigem Telefonkontakt mit unseren Mitarbeitern vorOrt.
aktuelle Katastrophen - Situation
Seit Tagen wüten Brände auf dem Pelopones, nicht irgendwo, sondern genau um uns herum! Das ist alles nicht weit weg, nicht Andere, nicht Fremde sind betroffen sondern wir, viele Freunde, viele Bekannte alle unsere Nachbarn. Es sind in manchen benachbarten Dörfern wirklich apokoalyptische Zustände. Die Existenz vieler Familien ist zerstört, Häuser, Felder, Olivenhaine, viel viel Wald ist verbrannt. Zahlreiche Menschen mussten ihr Leben lassen, nicht anonyme Zahlen sondern Menschen die wir kennen…
Lalunda und Ouphria sind nicht betroffen, auch die Landschaft im Sichtbereich um uns herum wurde verschont.
Warum schreibe ich Euch/Ihnen das, warum stelle ich diese Bilder einem Angebot voran, in dem es um Kunst geht, um Abschlussreise, nicht zuletzt um Feiern und um Spass?
Der Charakter der Studienreisen jetzt im Herbst 2007 und mindestens noch im Jahr 2008 wird ein Anderer sein als in den unbeschwerten Jahren vorher. Kunst und antike griechische Kultur haben 3000 Jahre überdauert und werden auch jetzt überdauern. Kunst und Kultur, auch unberührte, so typische griechische Landschaft ist da und wird auch glücklicherweise um uns herum weiterhin für Freude, Erholung und Kreativität sorgen. Aber überall wenn man wegfährt, in alle Richtungen in die man Ausflüge macht, trifft man verbrannte Erde, zerstörte Existenzen und die sichtbaren Zeichen einer wohl noch zu erwartenden Umweltkatastrophe in der Folge…
Ich wünsche mir dass Klassen die sich jetzt mit der Planung einer Reise zu uns befassen zwei Gesichts-/ Programmpunkte mit berücksichtigen: 1. Was hat das alles mit uns zu tun? Klimawandel, sorgloser Umgang mit Umwelt und Resourcen. Naturgewalten, Elementarmacht und dem gegenüber menschliche Kultur/Unkultur, Pflege der Erde? 2. Was können wir tun? Können, wollen wir helfen?
Ich will mich hier auch ausdrücklich bedanken für die vielen Anrufe, Mails von Lehrern, sogar Eltern und ehemaligen Schülern die schon bei uns waren und sich mit grosser Betroffenheit erkundigt haben.. Die Verbundenheit und Anteilnahme, auch die spontanen Angebote zur Hilfe, machen mich glücklich und zeigen einerseits die Verbundenheit vieler Menschen mit diesem Projekt und andererseits gibt es Kraft und Zuversicht weiter zu arbeiten…. herzlichen Dank!
Ulm, den 28.8.2007, Peter Schaupp Dieser 2. Text entstand dann nach ausführlicher Schadens-Besichtigung und, soweit mir das möglich war, nach Analyse des Ablaufes im Anschluss an einen Besuch in Griechenland.
nach den Bränden… mein persönliches Statement.
Seit Tagen wüten Brände auf dem Pelopones, nicht irgendwo, sondern genau um uns herum! Das ist alles nicht weit weg, nicht Andere, nicht Fremde sind betroffen sondern wir, viele Freunde, viele Bekannte alle unsere Nachbarn. Es sind in manchen benachbarten Dörfern wirklich apokoalyptische Zustände. Die Existenz vieler Familien ist zerstört, Häuser, Felder, Olivenhaine, viel viel Wald ist verbrannt. Zahlreiche Menschen mussten ihr Leben lassen, nicht anonyme Zahlen sondern Menschen die wir kennen… Lalunda und Ouphria sind nicht betroffen, auch die Landschaft im Sichtbereich um uns herum wurde vollständig verschont. Warum schreibe ich Euch/Ihnen das, warum stelle ich diese Bilder einem Angebot voran, in dem es um Kunst geht, um Abschlussreise, nicht zuletzt um Feiern und um Spass?
Mit diesen Anfangssätzen habe ich unmittelbar nach den Bränden informiert. Heute, nachdem sich die Lage geklärt hat, Alltag längst wieder eingekehrt ist, möchte ich versuchen, eine Bewertung vorzunehmen ob, und wie sich unser Angebot verändert hat, vielleicht verändern muss.
Der Versuch einer sachlichen Bewertung aus meiner persönlichen Sicht. Die Brände: Jeden Sommer brennt es im Mittelmeerraum, manchmal lokal begrenzt, manchmal mit verheerenden Ausmassen. Diesmal besonders in Griechenland, Pelopones, u.a. in Ilias direkt um uns herum. Immer gibt es drei mögliche Auslöser: Selbstentzündung, fahrlässige Brandstiftung und geplante Brandstiftung. Die grossen Brände dieses Sommers waren sicher nicht von Spekulanten gelegt, haben sich entweder selbst entzündet, oder sind durch fahrlässigen Umgang mit Feuer entstanden. Unabhängig davon haben im „Schatten“ der grossen Brände viele Menschen aus völlig unterschiedlichen Interessen örtlich begrenzte, kleine Feuer gelegt. Selbstentzündung. Im letzten Winter fiel sowenig Regen wie lange nicht mehr, dieser Sommer war heiss wie lange nicht mehr, das Land, insbesondere die Berge waren völlig ausgetrocknet. Bei Temperaturen über 40Grad reicht eine unglücklich liegende Glasscherbe oder ein Metallteil mittels des Brennglaseffektes zur Selbstentzündung. Wenn dies im Gebirge geschieht, gibt es häufig keine Wege zum Brandherd, in den Bergen ist meist Wind, Flugzeuge können nur begrenzt eingesetzt werden. Brände breiten sich rasch grossflächig aus, und walzen vom Wind getrieben die bewaldeten Berghänge hinab auf bewohntes, kultiviertes Land zu. Fahrlässige Brandstiftung. Der sorglose Umgang mit Feuer, achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, mal eben angezündeter Abfall, vorsichhin kokelnde Müllkippen.... Ein grosses Feuer soll entstanden sein indem es „einer alten Frau beim Kochen weggelaufen ist“! Ein tragisches, aber bezeichnendes Bild! Übrigens: lassen Sie uns unseren deutschen moralischen Zeigefinger sofort wieder einpacken! Vor ca. 30Jahren noch, kokelte die örtliche Müllkippe im Wald hinter der Stadt (nicht irgendwo, sondern nahe Stuttgart) friedlich und ständig vor sich hin. Damals war es auch bei uns üblich alles was brannte abzufackeln: Stoppelfelder, Kartoffelkraut etc., nicht irgendwo in Afrika sondern hier mitten in BaWü. Hier hat sicherlich ein klarer und deutlicher Bewusstseinswandel eingesetzt. Dieser Bewusstseinswandel ist z.B. in Griechenland noch am Anfang, aber auch dort klar sichtbar. Nach wie vor allerdings gehört es wohl zum Artenschutz von Rauchern ihre Kippen mehr oder weniger gelöscht, wo sie stehen und gehen einfach fallen zu lassen…………. Geplante Brandstiftung. Menschen die skrupellos, auch auf diesem Wege, ihre persönlichen Interessen versuchen voranzubringen, gibt es wohl immer und überall. Im Laufe des grossen Brandes in Ilias wurden alleine in unserer Umgebung 4 Feuer gelegt, allerdings auch sofort erkannt, mit wenig Schaden umgehend gelöscht und soweit ich weiss die Brandstifter zumindest in 3 Fällen auch sofort festgesetzt / eingesperrt und angeklagt.
Die Feuerwehr. Hier, in Krestena gibt es eine Feuerwehr mit 8 Löschzügen, ständig einsatzbereit, den ganzen Sommer über ständig auf Patrouillie, für ein 5000Einwohner-Städtchen, allerdings mit grossem Hinterland, ganz ordentlich finde ich. 2 Dörfer weiter in Epitalio stehen 2 Löschflugzeuge, einsatzbereit! Ab dem ersten Moment der aktuellen Brände waren sowohl die Feuerwehr Krestena als auch die Löschflugzeuge im Einsatz. Die getöteten Feuerwehrleute waren übrigens aus Krestena… Gegen eine mehrere Kilometer breite Feuerwand angetrieben durch Wind –wenig Chance! Auch hier sollten wir unsere deutsche Überheblichkeit sofort wieder einpacken, ich möchte nicht wissen wie kläglich unsere wohlorganisierte Wehr vor solchen Ausmassen kapitulieren müsste. Trotzdem etwas mehr Koordination und zentrale Einssatzleitung würde sicherlich helfen. Selbstschutz der Bevölkerung. Schnell war klar dass die Feuerwehr überfordert war, obwohl pausenlos im Einsatz, - chancenlos. Schnell haben sich die Bauern der Dörfer organisiert und mit kleinen Gegenfeuern, mit Brandschneisen, mit Löschtrupps ihre Felder und Dörfer geschützt. Nicht gelungen ist das dort, wo in den Bergen ganz kleine Dörfer, (50-60Einwohner, davon vielleicht die Hälfte überhaupt nur im Dorf, davon wiederum mindestens die Hälfte alte Menschen…) umgeben von Wald, dem durch Wind getriebenen Feuer ausgeliefert waren. Von solchen Dörfern haben wir diese schockierenden Nachrichten gehört und diese schrecklichen Bilder gesehen. Internationale Hilfe. Kam ja dann, dankenswerterweise, in manchen Fällen auch schnell. Z.B. die Israelis waren sofort da, die Türken auch,… die Deutschen haben 5 Tage gebraucht um 3 Hubschrauber in den Einsatz zu bringen, nach dem ersten Tag haben die wohlorganisierten und gutausgebildeten Deutschen 2 ihrer 3 Hubschrauber am Boden zerstört weil sich ihre Rotoren berührt haben! Also diese Häme mit der teilweise hier in Deutschland berichtet wurde ist mir zumindest peinlich.
Berichterstattung. Wie man das wohl von allen grösseren und kleineren Katastrophen kennt immer sehr effektheischend, schlampig recherchiert und sehr oberflächlich. Es wurden Ortsnamen verwechselt, alte Bilder zu aktuellen Beiträgen gesendet, durch tendenziöse Kameraeinstellung, falsche Statistiken und völlig übertriebene Statements wurde der Eindruck vermittelt als ob das gesamte Land verbrannt wäre, und über dem Volk ein kollektives Trauma liegt. Hilfen, staatlich und privat. Diese Hilfen kamen prompt, unbürokratisch, und sofort dort an, wo sie gebraucht wurden. Bis heute laufen zahlreiche Programme die den direkt und indirekt betroffenen helfen.
Die Sorgen der Bevölkerung. Als grösste Sorge wurde, gerade auch an uns, herangetragen: dass die Gäste ausbleiben könnten! Längst ist bei den meisten Betroffenen (ganz wenige haben Alles verloren), wieder Alltag eingekehrt, in griechischer Art versucht man das Beste aus der Situation zu machen und kümmert sich aktiv um die Bewältigung der Gegenwart. Die Häuser (es wurden dann doch relativ wenige zerstört) werden wieder teilweise aufgebaut, die Oliven werden (meist) wieder austreiben, Gärten werden wieder angelegt, Wald zumindest teilweise wieder aufgeforstet….., aber wenn die Gäste wegbleiben?
Ich habe in meinem letzten Schreiben 2 Fragen gestellt: • Was hat das alles mit uns zu tun? Stichwort Umweltbelastungen / Klimawandel… • Was können wir tun, können und wollen wir helfen? Die erste Frage, nach unserem Anteil an dieser und den vielen anderen Katastrophen um uns herum, kann nur jeder für sich alleine, jede Klasse / Gruppe für sich alleine thematisieren und bewegen. Konsequenzen und Veränderungen muss jeder selbst einsehen und in seinem persönlichen Alltag umsetzen… Die zweite Frage, was können wir tun –wollen wir helfen? Die allerwichtigste Hilfe ist die weiterhin Interesse an Land und Leuten zu zeigen, dorthin zu fahren, zu signalisieren wir sind hier, wir kommen zu euch, wir haben euch nicht vergessen. An naheliegenden Aufforstungsmassnahmen teilzunehmen scheint im Moment schwierig zu sein. Zwei der kleinen, völlig ausgebrannten, Dörfer werden wieder aufgebaut, das eine mit staatlichen Programmen, das andere aus privater Initiative. Hier sehen wir eine Chance uns helfend zu beteiligen und Funktionen beim Bau, vielleicht auch darüber hinaus zu übernehmen. Die konkreten Möglichkeiten prüfen wir derzeit ab, wenn Sie Interesse haben sich hier mit einem Projekt/Workshop/Klassenfahrt einzubringen, bitte ich um Nachricht.
Soweit für heute, mit freundlichen Grüssen, Peter Schaupp Ulm, den 25.9.2007
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